Olaf Böhme in Gedenken an den Dresdner Kabarettisten und Schauspieler Olaf Böhme (1953 – 2019)
in Gedenken an den Dresdner Kabarettisten und Schauspieler Olaf Böhme (1953 – 2019)

Erinnerungen

Olaf Böhme im Sommer 1990 in Basel
Olaf Böhme im Sommer 1990 in Basel / Foto: Privatarchiv

Stille

Stille geht der Tag zur Neige,
stille ruht der Abendschein.
Stille geh’n wir miteinander
in die stille Nacht hinein.

Stille wird es rings auf Erden,
stille wird es auch in mir.
Stille wird’s in meiner Seele.
Denn ich ruhe still bei dir.

Stille, Stille, alles stille.
Still bist du und still bin ich.
Stille ist. Es ist so stille.
Wir sind still. Ich liebe dich.

Olaf Böhme – Die Tage die Nächte die Jahre – Gedichte 1980-2003

Olaf Böhme hat viele Spuren hinterlassen – und jede Spur ist eine Erinnerung. Manch einer kannte ihn vielleicht persönlich, ein anderer wiederum erlebte ihn auf der Bühne. Immer aber hinterließ er Eindrücke und Erinnerungen. Diese Momente miteinander zu teilen und zu bewahren… Dafür ist hier Gelegenheit. Und wer weiß… Vielleicht wird ja sogar einmal ein Buch daraus?

Woran erinnern Sie sich am liebsten?

Erzählen Sie hier von Ihren Erinnerungen an Olaf

 
 
 
 
 
 
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Alexander Munzig schrieb am 16. März 2021
Lieber Herr Böhme,

vor ein paar Tagen, noch bevor diese Website online ging, erfuhr ich von Ihrer guten Freundin Sylvia Raute darüber. Das Projekt hat mich sehr gefreut und „es wärmt das Herz.“

So ähnlich Begann Ihr erster Brief an mich im August 2017. In jenem Sommer fand ich den Mut, Ihnen einfach einmal zu schreiben, das war am 25. Juli. Gut, die Zeilen tippte ich am PC, aber der Gedanke eines Briefes beschäftigte mich immer wieder, eigentlich schon, seit ich Sie am 29. Mai 2016 bei einem Ihrer letzten Auftritte im Boulevardtheater Dresden sah. Es war ein heißer Mai-Tag in und am Ende der Veranstaltung habe ich Ihr Buch „Das Helle und das Dunkle“ gekauft und sprach kurz mit Ihnen. Ich sagte etwas wie: „Ich kenne Sie schon von früheren Aufführungen, dann hatte ich Sie aus den Augen verloren und jetzt habe ich Sie zum Glück wiedergefunden.“ In Ihren Augen sah ich die Freude darüber, aber auch schon einen Hinweis, welcher Kampf in Ihrem Körper stattfand.

Aber zurück zu dem Brief: nach nur wenigen Tagen erhielt ich eine Antwort von Ihnen …witziger weiße auch von Ihnen am PC getippt. Und was wurde daraus? Eine Art moderne Brieffreundschaft zweier eigentlich fremder Menschen. Ich schrieb Ihnen zu Weihnachten im selben Jahr, Sie antworteten, diesmal sogar mit einer weihnachtlichen Zeichnung unter den Zeilen. Wenn ich irgendwo im Urlaub war und ein skurril-künstlerische Postkarte fand, schrieb ich Ihnen von dort und meist kam nach nur wenigen Tagen eine kleine Rückmeldung per E-Mail. Ich wusste um Ihren Gesundheitszustand, Sie schätzten Ihre Situation immer realistisch ein, aber verloren nie den Mut bzw. hatten immer aufmunternde Worte auch für mich und meine Lieben.

Es waren nie lange Textblöcke, sondern kleine „Na, wie geht es Ihnen?“-Grüße über den (virtuellen) Gartenzaun, über die ich mich immer wieder aufs Neue freute. Im Dezember 2018 schrieb ich Ihnen aus Ihrer Heimatstadt Dresden die letzte Karte, Weihnachtspost. Ich habe die Karte zum Glück vor dem Einwerfen in den Kasten fotografiert, ohne zu wissen, was im März 2019 passieren würde. Dann kahm der Jahreswechsel und in den ersten Januar-Tagen ihre gewohnte kleine E-Mail als Antwort auf die Weihnachtskarte. Sie baten mich, Ihnen ein Foto von mir per E-Mail zukommen zu lassen, da Sie das Gefühl hatten, Sie wüssten, wer ich wäre, aber dann waren Sie sich wieder nicht so sicher. Ich schickte Ihnen das Foto und am 15. Januar 2019 erhielt ich: „Herzlichen Dank - jetzt kann ich mir ‚ein Bild machen‘.“ Ich spürte richtig, dass in diesen wenigen Worten viel Friede und innere Ruhe Ihrerseits lag. Vorahnungen? Wer weiß… Es waren jedenfalls Ihre letzten Worte an mich, von meinem Vater erfuhr ich an einem Wochenende im März 2019 dass die Krankheit in Ihrem Körper leider gesiegt hatte.

Noch immer kann ich es nicht fassen, dass es schon zwei Jahre her ist, dass Sie die Welten gewechselt haben, noch immer begleitet mich in meinem Portmonee Ihr Sticker „Ich bin Sachse!“, den Sie mir am 29. Mai in Dresden nach der Aufführung gaben. Ich bin übrigens auch Sachse, gebürtiger Görlitzer.

Herr Böhme, Sie fehlen… sehr. Ich denke oft an Sie und bin Ihnen immer wieder dankbar, so auch an dieser Stelle: für die vielen heiteren, tiefgründigen und kräftigen Momente auf der Bühne, aber vor allem für die kleine Brieffreundschaft zwischen 2017 und 2019, die „einfach so“, ein bisschen wie von Zauberhand, entstand. Zum Abschluss, ein paar Ihrer Worte aus einem Brief an Sie gerichtet, in Verbindung mit einem knallig-bunten Regenbogen, der am 14. März dieses Jahres, einem Sonntag, über meinem Haus stand und mich an Sie denken lies:

„Alles, alles Gute für Sie, viel Licht.“

Herzlich

Alexander Munzig
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